Bücher


Männer

Ich werde es sagen Geschichte einer missbrauchten Kindheit
Kristian Ditlev Jensen
Klett-Cotta 2004
Interview mit dem Autor:

Kristian ist neun Jahre alt, als der drei Jahre dauernde Missbrauch durch einen guten Bekannten der Familie beginnt. Zwanzig Jahre später dokumentiert er in diesem literarisch sehr ansprechenden Buch die Geschichte seiner missbrauchten Kindheit:
mehr » » die Vernachlässigung in einem Elternhaus, dass ihm zunehmend fremder wird gibt Gelegenheit für den Täter, immer feinere Netze körperlicher und seelischer Ausbeutung zu schaffen - ein neben der eigenen Biografie und dem offenen Umgang damit ausgezeichnetes Psychogramm subtiler Täterstrategie. Und damit auch eine Warnung an diejenigen, die Täterverhalten für offensichtlich und Täter für leicht erkennbareSoziopathen halten. Jensen beschreibt dazu den langen und schmerzhaften Weg des Erkennens, der Distanzierung und der Verarbeitung - ein Weg, der für den mittlerweile über dreissigjährigen noch nicht abgeschlossen ist. Auch als Erwachsener leidet er noch unter den Folgen - der Täter wurde zu zwei Jahren verurteilt. Auf Bewährung. Der Band vermittelt bei aller Schonungslosigkeit Hoffnung durch seine Ehrlichkeit und die Brillianz, mit der er die eigene Situation schildert. Kein Wort des Selbstmitleids, eine Bestandsaufnahme und ein in letzter Konsequenz optimistischer Blick in die eigene Zukunft.






Als Junge mißbraucht. - Wie Männer sexuelle Ausbeutung in der Kindheit verarbeiten können
Lew, Mike Kösel 2001

Auszug aus der Einleitung: "Ich habe 'Als Junge missbraucht' als therapeutisches Handbuch für Männer verfasst, die als Kinder Inzest und anderen sexuellen Missbrauch an sich erfahren haben -
mehr » » und ich habe es für Menschen geschrieben, die sich um diese Männer kümmern" Und diesem Anspruch wird Lew bezüglich der Betroffenen mehr als gerecht. Kompetent und optimistisch, führt er Berichte Betroffener und zahlreiche eigene Erfahrungen als Therapeut an. Sehr leicht lesbar, etwas mehr sprachliche Prägnanz und Straffung des Textes wäre an einigen Stellen vorteilhaft. Mut machend, die eigene Isolation zu verlassen und das eigene Schicksal nicht als unabwendbar zu sehen.






Auch Indianer kennen Schmerz
Sexuelle Gewalt gegen Jungen
Ein Handbuch von Dirk Bange und
Ursula Enders
Kiepenheuer und Witsch
3. Auflage 2000
Dirk Bange erarbeitete unter anderem die erste deutsche Dunkelfelduntersuchung über Ausmaß und Folgen sexualisierter Gewalt an Jungen und Mädchen und war als hauptamtlicher Mitarbeiter bei Zartbitter in Köln tätig. Ursula Enders ist Therapeutin und Mitbegründerein von Zartbitter Köln sowie Zartbitter Münster, von ihren Publikationen ist "Zart war ich, bitter wars" wohl die bekannteste. Nach einem kurzen geschichtlichen Abriss des Missbrauchs an Jungen in Antike, Mittelalter und Neuzeit widmet sich Bange der Jungensozialisiation und einer Kritik des herrschenden Männerbildes.
mehr » » Er gelangt zu der These, dass fehlende positive männliche Vorbilder mitverursachend für eine emotionale Bedürftigkeit und damit die "Suche nach einem Ersatzvater" sein können. Bange widmet sich tief den Ängsten Betroffener, wie beispielsweise der, im Moment des Missbrauchs versagt zu haben, den Leugnungen des sozialen Umfeldes und der männerspezifischen Rollendefinition. Im Kapitel über die statistische Häufigkeit und Missbrauchsdefinition setzt er sich kritisch mit bestehenden Untersuchungen von 1979 bis 1994 und den zu Grunde liegenden Kriterien auseinander. In den Passagen über Täter verdeutlichen zahlreiche Zitate, vor allem die von Brongersma, den bewussten, unausgesprochenen Sadismus, der den wahren Motor der Täter bildet. Im fünften Kapitel greift Ursula Enders ein Tabu auf. Frauen als Täterinnen wurden und werden auch von zahlreichen professionellen HelferInnen bisher geleugnet. U. Enders führt zahlreiche Beispiele aus ihrer eigenen Beratungspraxis sowie der gängigen Literatur an, die diese Meinung eindeutig wiederlegen. Lediglich das Erscheinungsbild differiert: so gelingt es Frauen leichter, beispielsweise im Rahmen von pflegerischer Berufstätigkeit, nicht als Täterin erkannt zu werden. Teile über Folgen, Beratung und Therapie tragen der besonderen Beratungssituation beim Umgang mit Jungen und Männern Rechnung. Auch hier findet sich der wichtige Hinweis auf die Zusatzproblematik der Männer, die als Jungen von Frauen missbraucht wurden. Bange gibt darüber hinaus zahlreiche Hinweise auf die Beratungstätigkeit mit Männern wie auch in den Folgekapiteln über Homosexualität und sexuellen Missbrauch. In den abschliessenden Kapiteln werden Themen wie Kinderpornographie, sexualisierte Gewalt in Institutionen, Missbrauch in Kirche, Grundschule und Kindertagestätte sowie neue Ansätze der Präventionsarbeit eher gestreift als behandelt. Insgesamt ein mehr als lesenswertes Buch, dass sich der Problematik missbrauchter Jungen auf eine sehr umfassende Weise nährt. Lediglich der Schlussteil mit den oben angeführten Themen ist zu kurz geraten. Hier wäre es sinnvoller gewesen, einen Folgeband zu erstellen. Der Titel ist insgesamt für die Beratungsarbeit mit Jungen, aber auch mit Männern ausgesprochen hilfreich und zeigt die umfassende Erfahrung des Autors. Für Betroffene allerdings wegen der (notwendigen) drastischen Schilderungen nur eine eingeschränkte Empfehlung. Der Adressteil sollte dringend überarbeitet und um Hilfsmöglichkeiten im Internet ergänzt werden.





Frauen und Männer

Verbündete. Ein Handbuch für Partnerinnen
- und Partner sexuell missbrauchter
Frauen und Männer
Davis, Laura
Orlanda Frauenverlag 1991 (2. Auflage)
Unbedingt empfehlenswert für Partner(innen) / Freunde. Klappentext:
mehr » » "Sexueller Mißbrauch in der Kindheit löst unweigerlich Probleme innerhalb unterschiedlicher Beziehungen aus. Verbündete gibt Antworten auf Verwirrung, Wut, Frustration und Hilflosigkeit der Partnerinnen und Partner von Überlebenden sexuellen Mißbrauchs...









Imagination als heilsame Kraft
-Reddemann, Luise
pfeiffer bei Klett-Cotta.
Reihe "Leben lernen" Band 141
Das Buch basiert auf der Erfahrung der Autorin aus ihrer Arbeit als Chefärztin für psychotherapeutische und psychosomatische Medizin im Johanneskrankenhaus Bielefeld.
mehr » » L. Reddemann schreibt mit tief spürbarer Empathie für Betroffene, die dabei nie zum Mit-Leiden wird sondern stets die positiven Ressourcen im Blick behält. Eine Sammlung von und Beschreibung der stabilisierenden Imaginationsübungen wie "Der Sichere Ort", "Der Baum" u.a. geben ersten Zugang zu den Grundlagen der imaginativen Vorgehensweise. Beschreibungrn der Arbeit mit Kunst- und Körpertherapeutischem Ausdruck wie Qi Gong runden die Thematik ab. Die Zielgruppe bewegt sich zwischen Betroffenen mit dem Wunsch nach eigener Kompetenz und Therapeuten. Eine CD mit Übungen und angenehmer Zwischenmusik (John Dowland, 16. Jahrhundert) ist ebenfalls, leider zu einem recht hohen Preis, erhältlich.









Trotz allem. Wege zur Selbstheilung
- für sexuell missbrauchte Frauen
Bass, Ellen und Davis, Laura
Orlanda Frauenverlag 2001 (11. Auflage)

Entgegen dem Titel sehr gut auch für Männer geeignet. Absolut empfehlenswert. Klassiker in der Anleitung zur Selbsthilfe, Selbstheilung und Bewusstwerdung.
mehr » » Eines der besten, vielleicht das beste Buch im Bereich der Anleitung zur Selbsthilfe. Teilweise auch für Partnerinnen und Partner geeigneter Klassiker, wenn man so will.









Trauma und Traumatherapie

Die Narben der Gewalt.
- Traumatische Erfahrungen
verstehen und überwinden
Herman, Judith Lewis
Kindler 1993
Kurzbeschreibung amazon.de: "Dieses Buch ist die Frucht von zwanzig Jahren Forschung und praktischer Arbeit mit Opfern von sexueller und häuslicher Gewalt und
mehr » » spiegelt auch die vielfältigen Erfahrungen mit zahlreichen anderen traumatisierten Patienten wider, vor allem mit Kriegsveteranen und Opfern von politischem Terror. Es ist ein Buch über die Wiederherstellung von Verbindungen: Verbindungen zwischen öffentlichen und privaten Welten, zwischen Individuum und Gesellschaft, zwischen Mann und Frau. Es ist ein Buch über Gemeinsamkeiten: zwischen Vergewaltigungsopfern und Kriegsveteranen, zwischen mißhandelten Frauen und politischen Gefangenen, zwischen den Überlebenden der riesigen Konzentrationslager, errichtet von Tyrannen, die über Völker herrschten, und den Überlebenden der kleinen, versteckten Konzentrationslager, errichtet von Tyrannen, die über ihre Familie herrschen." Sicher kein Selbsthilfebuch, auch keine leicht zu lesende Lektüre. Aber Judith Herman wird dem komplexen Thema in verständlicher Form mehr als gerecht. Hilfreich, um das eigene Erleben in einen grösseren Zusammenhang einzuordnen setzt "Die Narben der Gewalt" einen der früheren Meilensteine moderner Traumaforschung. Es zeigt die Entwicklung von den traumatisierten "Vaterlandsverrätern" des Ersten und Zweiten Weltkrieges über die Opfer des Vietnamkrieges und häuslicher Gewalt, vom "blame the victim" zu den Fundamenten modernen Psychotraumatologie.









Täter und Täterstrategien

Dunkle Triebe.
Wie Sexualtäter denken und ihre Taten planen
Salter, Anna
Goldmann Taschenbch 2006
Die Kriminalpsychologin Anna Salter arbeitet seit über 20 Jahren mit Sexualstraftätern. Sie beschreibt in verständlicher Sprache die Gedanken eines Straftäters vor, während und nach der Tat.
mehr » » Der Inhalt ist schonungslos, er lässt uns unter anderem von der Illusion Abschied nehmen, dass Sexualstraftäter der veschiedenen Couleur eine Randgruppe leicht erkennbarer Psychopathen darstellen, die sich schon durch ihr Auftreten demaskiert. Vielmehr beschreibt Salter die subtilen Vorgehensweisen, die Manöver der Täuschung, des schrittweisen Einschleichens, der Manipulation des Opfers und dessen Umfelds in Strategien, die oft langfristig angelegt sind und von Tätern durchgeführt weden, die über einen hohen Grad sozialer Anpassung (und Akzeptanz) bei oft überdurchschnittlicher Intelligenz verfügen - Menschen aus Kirche, Sportvereinen, Schulen, die über Jahre aus ihren gesicherten Positionen heraus hunderte von Opfern missbraucht haben. Dass die genannten Zahlen dabei keine paranoide Fiktion sind sondern der Realität entsprechen wird von Salter belegt, es lässt sich darüber hinaus nahezu täglich der Presse entnehmen.
Die zahlreichen Zitate aus Protokollen der Täter sind schwer erträglich, einige so gut wie unlesbar. Dennoch ist es wichtig, diese aus einer geschützten (für den Täter) Position heraus entstandenen Aussagen zu kennen - verdeutlichen sie doch die Grenzen- und Masslosigkeit der Gewaltbereitschaft und überzeugen in vielen Fällen von der Sinnlosigkeit wie immer gearteter Therapieversuche, auch wenn dies nicht Salters ausdrückliche Position darstellt. Hierzu ein Zitat:
[...] " Ich schreibe dir diesen Brief, damit du die Tatsachen kennst, weisst, was ich mit dir getan habe. Was ich von dir wollte war dein junger Körper zur Befriedigung meiner Lust. Ich habe dich nicht geliebt. Ich habe dir nur deshalb Spielsachen geschenkt, damit du niemandem erzählen solltest, was ich mit dir machte, und damit du gut von mir denken solltest ... Vielleicht erinnerst du dich an die Tage, an denen ich etwas mit dir unternommen und hinterher gesagt habe, wie schön ich diesen Tag gefunden habe. Ich habe ihn nie schön gefunden. Ich wollte nur mit dir zusammen sein, damit ich dich missbrauchen konnte. (Eldridge,H. (1995), "Apology and Forgiveness" S.138-139, In: A. Salter: Transforming Trauma. Zitiert in Anna Salter: Dunkle Triebe, 1. Auflage 2006, S. 278 f.) " [...]
Salter beschreibt diese Art von Gefühlskälte als "nicht selten". Obiger Brief wurde dem betroffenen Kind übrigens nie zugestellt. Er diente vielmehr der "Tätertherapie".
Salter wird als Autorin dadurch sympathisch und authentisch, dass sie ihre eigene Ratlosigkeit und Wut im Angesicht scheinbar grenzenloser Gewaltbereitschaft formuliert und, teilweise indirekt, eingesteht, in einigen Fällen an die Grenzen eigener Belastbarkeit zu geraten. Es wird für den Leser bald offensichltich, dass der Schutz der Gesellschaft vor diesen Tätern unabdingbar ist und eine wie immer geartete Therapie allenfalls die zweite Position einnehmen kann, sofern diese überhaupt eine mittel- und langfristige Aussicht auf Erfolg haben kann - was die Autorin offen lässt.









ritueller Missbrauch

Neurobiologie

wird fortgesetzt









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